In der Einführungssitzung zur Exkursion werden wir vornehmlich textgestützt und quellenbasiert arbeiten und auf dieser Grundlage (hoffentlich lebhaft) diskutieren. Zwei inhaltliche Schwerpunkte werden uns besonders beschäftigen: Zum einen sollen am Beispiel des regionalen und nur kurzzeitig bestehenden Konzentrationslagers Osthofen die ideologischen Voraussetzung und die praktische Durchsetzung der NS-Herrschaft in der Region sichtbar werden. Zum anderen sollen Herausforderungen und Chancen der regionalen Gedenkstättenarbeit mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen erörtert und eingeordnet werden.

Quellen (Texte, Objekte, Bilder) – der Ausgangspunkt geisteswissenschaftlicher Forschung – liegen aufgrund umfassender Digitalisierungsprogramme zunehmend digital vor und können zeit- und ortsunabhängig gelesen und ausgewertet werden. Digitalisierte Dokumente bieten zugleich die Möglichkeit, diese nicht mehr nur einzeln klassisch hermeneutisch zu lesen (close reading), sondern ebenso als Masse mit digitalen Methoden (distant reading) auszuwerten und zu visualisieren. Dies wird zunehmend zu einer Notwendigkeit, führt man sich die Masse an digital-born Quellen vor Augen: Forschende etwa, die zukünftig über das Kabinett von Angela Merkel arbeiten, werden die zehntausenden Mails ohne digitale Methoden nicht sinnvoll auswerten können. Die digitalen Geisteswissenschaften (Digital Humanities) stellen ein Methodenarsenal für diese computergestützte Forschung bereit, die auf diese Herausforderungen eingehen: Text- und Datamining, Mapping, Visualisierungen, Netzwerkanalysen etc.

Im Seminar geht es darum, wie digitale Methoden, Werkzeuge und Plattformen spezialisierte Forschung in den Geisteswissenschaften und insbesondere die Textanalyse unterstützen können. Angewandt und kritisch hinterfragt werden digitale Methoden zur qualitativen und quantitativen Analyse großer, komplexer und unstrukturierter Textmengen. Zugleich sollen die qualitativen Auswirkungen auf die Wissensproduktion durch die computergestützte Forschung reflektiert werden.

Neben dem Selbststudium werden in Hands-on-Workshops Fallbeispiele von close- und distant reading analysiert und digitale Experimente zur Analyse von Texten durchgeführt. Parallel zu den Blockseminaren ermöglichen Online-Diskussionen einen kontinuierlichen Austausch zwischen den Teilnehmenden. Eine Vorstellung des mainzed - Mainzer Zentrum für Digitalität in den Geistes- und Kulturwissenschaften ist geplant.